Kurz gesagt: Ein Dating-Portal ganz ohne Fake-Profile gibt es nicht, und keines kann es dir garantieren. Was es gibt, sind Plattformen, die unechte Profile in ihren Regeln verbieten und aktiv löschen, und Plattformen, die sie selbst betreiben und das in ihren Geschäftsbedingungen auch zugeben. Der Unterschied zwischen beiden steht nicht in der Werbung, sondern im Vertrag. Diese Seite zeigt dir, wie du ihn vor der ersten Zahlung findest.
Stand: 11. Oktober 2026. Alle zitierten Bedingungen haben wir an diesem Tag auf den Seiten der Anbieter abgerufen.
Warum die Frage falsch gestellt ist
„Ohne Fake-Profile“ klingt nach einer Eigenschaft, die ein Portal hat oder nicht hat. In Wirklichkeit stecken hinter dem Wort drei verschiedene Dinge, die wir im Ratgeber Fake-Profile erkennen und vermeiden ausführlich unterscheiden: das vom Betreiber geführte (moderierte) Profil, das automatisierte Profil und das Profil eines Betrügers.
Für die Wahl eines Portals ist diese Unterscheidung entscheidend, denn sie verlangt zwei verschiedene Fragen:
- Betreibt der Anbieter selbst Profile? Das lässt sich vorab klären, weil es in den AGB stehen muss.
- Wie gut hält der Anbieter fremde Betrüger draußen? Das lässt sich nur teilweise klären. Kein Betreiber einer offenen Plattform kann verhindern, dass sich jemand mit falschen Fotos anmeldet. Er kann nur prüfen, melden lassen und sperren.
Wer „Dating ohne Fake-Profile“ sucht, meint meist das Erste: kein Portal, auf dem man für Gespräche mit Angestellten bezahlt. Dieses Ziel ist erreichbar. Das Zweite, eine Plattform völlig ohne Betrüger, ist es nicht.
Zwei Arten von Regeln: verboten oder eingepreist
Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn man zwei Regelwerke nebeneinanderlegt.
Die Community-Richtlinien von Tinder verbieten Fake-Konten ausdrücklich, „auch nicht zum Spaß“. Ein unechtes Profil ist dort ein Regelverstoß, den der Betreiber ahnden will. Dass es trotzdem vorkommt, ändert nichts an der Richtung: Wer ein solches Profil meldet, beruft sich auf die Regeln des Anbieters, nicht gegen sie.
Die AGB von Fremdgehen69 regeln das Gegenteil. Dort steht, dass die Profile auf dem Portal „von Operatoren betrieben“ werden und „der reinen Unterhaltung“ dienen, und an anderer Stelle: „Alle Chatpartner sind virtuelle Profile die von professionellen, echten Menschen oder künstlicher Intelligenz moderiert werden, wobei reale Treffen mit diesen nicht möglich sind.“ Ein unechtes Profil ist hier kein Fehler im System, sondern das Produkt.
Beides ist in Deutschland erlaubt. Die Verbraucherzentrale weist aber darauf hin, dass ein versteckter Hinweis in den AGB nicht genügt: Nach einem Urteil des Landgerichts Berlin auf Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands muss schon vor der Registrierung deutlich darauf hingewiesen werden. Wie verbreitet das Modell ist, zeigte eine ältere Erhebung: Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Bayern fand Ende 2017 bei 187 Dating-Portalen Hinweise auf fiktive Profile in den AGB, und 171 davon erweckten trotzdem den Eindruck, man könne dort echte Menschen treffen (vzbv).
Was Werbeversprechen wirklich bedeuten
Viele Portale werben mit Formulierungen, die nach „ohne Fake-Profile“ klingen. Die folgende Tabelle zeigt, was sie belegen und was nicht.
| Versprechen | Was es belegt | Was es nicht belegt |
|---|---|---|
| „Verifizierte Profile“ | Dass ein Teil der Mitglieder eine Prüfung bestanden hat, meist ein Foto- oder Videoabgleich | Dass alle Mitglieder geprüft sind, und schon gar nicht, welche Absicht jemand hat |
| „Fake-Profile werden aussortiert“ | Dass der Anbieter nach eigener Aussage moderiert | Wie gründlich, und ob die AGB diese Zusage überhaupt übernehmen |
| „Kontaktgarantie“ | Nur das, was die AGB als Kontakt definieren | Ein Treffen, ein Gespräch mit einer Privatperson |
| „Kostenlos anmelden“ | Dass Registrierung und Profil nichts kosten | Dass Schreiben oder Antworten nichts kostet |
Zwei Beispiele aus den Unterlagen der Anbieter zeigen, warum sich der Blick ins Kleingedruckte lohnt.
Fremdgehen69 bietet laut AGB bei einigen kostenpflichtigen Diensten eine Kontaktgarantie an. Als Kontakt gilt dort „eine zumindest einmalige Kontaktaufnahme mittels des für den Nutzer eingerichteten elektronischen Postfachs“. Da dieselben AGB alle Chatpartner als virtuelle Profile beschreiben, ist die Garantie mit einer einzigen Nachricht eines solchen Profils erfüllt.
Der Sugar-Dating-Anbieter SugarDaddy.de schreibt auf seiner Seite „Wie funktioniert sugardaddy.de?“, alle Profilanmeldungen würden „auf ihre Echtheit hin überprüft“. In seinen Nutzungsbedingungen heißt es dagegen, man überprüfe „nicht die Gültigkeit der Informationen“, die Mitglieder angeben, und führe keine Hintergrundprüfungen durch. Beides kann gleichzeitig stimmen: Geprüft wird, ob ein Konto echt aussieht, nicht, ob die Angaben wahr sind. Verbindlich ist im Streitfall der Vertrag, nicht die Werbeseite.
Welche Portale dem Ziel am nächsten kommen
Ein Ranking hilft hier nicht weiter, weil sich die Qualität einer Plattform von Stadt zu Stadt unterscheidet. Hilfreicher ist die Frage, woran ein Anbieter verdient. Daraus folgt, welches Interesse er an unechten Profilen hat.
- Bezahlung pro Nachricht (Coins, Credits): Jede weitere Nachricht bringt Umsatz. Genau in diesem Modell sind moderierte Profile wirtschaftlich sinnvoll, und die Watchlist Internet beschreibt die typische Coin-Falle: ein Gegenüber, das immer antwortet, aber nie telefoniert und nie zu einem Treffen erscheint. Coin-Modelle sind nicht automatisch unseriös, verdienen aber den genauesten Blick in die AGB.
- Abo mit fester Laufzeit: Der Umsatz hängt nicht an der einzelnen Nachricht. Ob der Betreiber trotzdem eigene Profile einsetzt, verrät dir nur der Vertrag. Auch hier gilt: AGB lesen.
- Kostenlose Apps mit optionalen Zusatzfunktionen: Der Betreiber verdient in der Regel an Reichweite und kostenpflichtigen Zusatzfunktionen, nicht an Gesprächen mit eigenen Mitarbeitern. Dafür ist die Plattform offen, und Betrüger kommen leichter hinein. Die Gefahr verschiebt sich vom Betreiber zu Dritten.
Die ehrlichste Antwort auf „Welche Dating-App hat keine Fake-Profile?“ lautet deshalb: eine, deren Bedingungen unechte Profile verbieten statt erlauben, und auf der du die Prüfungen selbst machst, die keine Plattform dir abnimmt.
Die Prüfung vor der ersten Zahlung
Fünf Minuten genügen, um die meisten Portale einzuordnen.
- Impressum öffnen. Firmenname, Sitz und Handelsregister müssen dort stehen. Fehlt das, brauchst du nicht weiterzulesen.
- AGB durchsuchen. Mit der Suchfunktion des Browsers nach den Begriffen, die die Verbraucherzentrale als typisch nennt: „Moderator“, „moderierter Dienst“, „Animateur“, „Controller“, „CUser“. Dazu „Operator“, „fiktiv“ und „Unterhaltung“, die in den von ihr zitierten AGB-Auszügen ebenfalls vorkommen. Ein Treffer heißt: Ein Teil der Gespräche findet mit Angestellten oder einer Software statt.
- Werbeversprechen gegen den Vertrag halten. Steht „verifiziert“ oder „Kontaktgarantie“ auf der Startseite, such die passende Stelle in den AGB. Was dort nicht steht, ist nicht zugesagt.
- Die Grenze zwischen kostenlos und kostenpflichtig finden. Wenn du zahlen musst, um auf Nachrichten zu antworten, die kurz nach der Anmeldung eintreffen, sei besonders aufmerksam.
- Den Ausstieg vorab klären. Wie kündigt man, wie löscht man das Konto? Der allgemeine Weg steht im Leitfaden Kündigen: der Weg, den das Gesetz vorschreibt.
Die ausführliche Liste mit zwölf Punkten, auch für die ersten Tage nach der Anmeldung, findest du in unserer Prüfliste für seriöse Sexdating-Seiten.
Wenn du trotzdem auf ein unechtes Profil triffst
Auf jeder offenen Plattform wird dir früher oder später ein Profil begegnen, das nicht echt ist. Dann zählt die Reaktion:
- Melden und blockieren über die Funktion des Portals. Auf Plattformen, die Fake-Konten verbieten, ist das der vorgesehene Weg.
- Kein Geld, keine Gutscheincodes, keine Kontodaten, egal wie gut die Begründung klingt. Die Polizei beschreibt die Masche ausführlich unter Romance-Scamming.
- Beschwerde bei der Verbraucherzentrale: Wer den Eindruck hat, dass ein Portal mit echten Kontakten wirbt und mit fiktiven Profilen arbeitet, kann das über das Beschwerdeformular der Verbraucherzentralen melden. Das ersetzt keine Rechtsberatung, fließt aber in die Marktbeobachtung ein.
Fremdgehen69: ein Gegenbeispiel mit offenen Karten
Fremdgehen69 ist kein Portal für Treffen. Laut eigenen AGB arbeitet es mit moderierten, virtuellen Profilen, mit denen reale Treffen nicht möglich sind. Damit ist es das Gegenteil dessen, was diese Seite sucht, und gleichzeitig ein Anbieter, der es in seinen Bedingungen offen sagt. Wer bewusst einen Erotik-Chat mit Moderatoren möchte und kein Treffen erwartet, bekommt dort, was die AGB beschreiben. Wer echte Kontakte sucht, sollte sich dort nicht anmelden.
Was das Angebot kostet, wie Abo und Coins funktionieren und wie man kündigt, steht in unserer Einordnung Fremdgehen69: Erfahrungen, Kosten und was die AGB sagen.
Fremdgehen69 ansehen (Erotik-Chat)
Anzeige. Nur für Erwachsene ab 18 Jahren. Laut AGB moderierte Profile, keine realen Treffen.