Die meisten Beschwerden über Portale dieser Art betreffen nicht die Anmeldung, sondern das Ende. Diese Seite beschreibt, was ein Anbieter in Deutschland bereitstellen muss, in welcher Reihenfolge du vorgehst und was du aufbewahrst, falls es später strittig wird.
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Stand: 30. August 2026. Grundlage sind die zitierten Gesetzestexte, an diesem Tag abgerufen. Wie wir arbeiten und was wir bewusst nicht veröffentlichen, steht unter Über uns.

Widerruf und Kündigung sind nicht dasselbe
Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt, und die Verwechslung kostet Geld. Sie betreffen unterschiedliche Zeitpunkte und haben unterschiedliche Folgen.
Der Widerruf
Er löst den Vertrag rückwirkend auf, als wäre er nie geschlossen worden. Die Frist beträgt vierzehn Tage ab Vertragsschluss, eine Begründung ist nicht nötig, und für die Fristwahrung genügt es, den Widerruf rechtzeitig abzusenden — er muss nicht innerhalb der Frist ankommen. Das steht in § 355 BGB.
Der Haken liegt woanders: Bei digitalen Leistungen erlischt das Widerrufsrecht vorzeitig, wenn du ausdrücklich zustimmst, dass die Leistung sofort beginnt, und bestätigst, dass du dadurch dein Widerrufsrecht verlierst. Diese Zustimmung wird auf der Zahlungsseite abgefragt, meist als Häkchen. Wer es setzt, hat den Widerruf verloren, bevor er ihn brauchte.
Die Kündigung
Sie beendet den Vertrag für die Zukunft. Bezahlte Zeiträume bleiben bezahlt. Sie ist der Weg, sobald die vierzehn Tage vorbei sind oder das Widerrufsrecht erloschen ist.
Was der Kündigungsbutton genau leisten muss
§ 312k BGB beschreibt kein ungefähres Prinzip, sondern eine Mechanik. Wer sie kennt, erkennt in zehn Sekunden, ob ein Portal sie erfüllt.
- Auf der Webseite steht eine Schaltfläche, beschriftet mit nichts anderem als den Wörtern „Verträge hier kündigen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung.
- Sie führt unmittelbar zu einer Bestätigungsseite. Nicht zu einem Kontaktformular, nicht in den Hilfebereich, nicht zu einer Telefonnummer.
- Auf der Bestätigungsseite kannst du Angaben zur Art der Kündigung machen, dich eindeutig identifizieren und den Vertrag eindeutig bezeichnen.
- Dort steht eine zweite Schaltfläche, beschriftet mit nichts anderem als „jetzt kündigen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung.
- Beide Schaltflächen und die Bestätigungsseite müssen ständig verfügbar sowie unmittelbar und leicht zugänglich sein — nicht erst nach dem Einloggen in ein Untermenü.
Zwei Pflichten kommen hinzu, die im Streitfall entscheidend werden. Nach Absatz 3 musst du deine Kündigungserklärung mit Datum und Uhrzeit auf einem dauerhaften Datenträger speichern können. Und nach Absatz 4 muss der Anbieter dir Inhalt, Datum und Uhrzeit des Zugangs sowie den Beendigungszeitpunkt sofort in Textform bestätigen. Bleibt diese Bestätigung aus, fehlt dem Anbieter ein Argument, nicht dir.
Wenn der Button fehlt
Das ist der Punkt, den kaum ein Vergleichsportal erwähnt, und er ist der wichtigste der ganzen Seite. Stellt ein Anbieter die Schaltflächen und die Bestätigungsseite nicht so bereit, wie es die Absätze 1 und 2 verlangen, dann kannst du den Vertrag jederzeit und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. So steht es in Absatz 6.
Praktisch heisst das: eine Mindestlaufzeit, eine Kündigungsfrist von drei Monaten oder eine automatische Verlängerung sind in diesem Fall nicht durchsetzbar. Der Anbieter muss beweisen, dass er die Pflichten erfüllt hat. Deshalb ist der Screenshot vor dem Klicken keine Vorsicht, sondern Beweisführung.
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Die Reihenfolge, die Ärger erspart
- Vorher fotografieren. Vertragsdaten, Laufzeit, Preis, und die Seite, auf der der Kündigungsbutton steht oder eben nicht steht. Mit sichtbarem Datum, wenn möglich.
- Den Button suchen, nicht das Kontaktformular. Ein Formular ist kein Ersatz, und wer es benutzt, verzichtet unnötig auf die Position aus Absatz 6.
- Die Bestätigungsseite vollständig ausfüllen. Art der Kündigung, Identifikation, Vertragsbezeichnung. Lücken sind später Angriffsfläche.
- Die Bestätigung speichern. Als PDF oder Screenshot, mit Datum und Uhrzeit. Nicht nur im Postfach liegen lassen — Postfächer bei Portalen dieser Art verschwinden mit dem Konto.
- Den Kontoauszug im Folgemonat prüfen. Und im übernächsten. Die meisten unberechtigten Abbuchungen fallen erst dort auf.
Kündigung und Kontolöschung sind zwei Schritte
Die Kündigung beendet den Zahlungsvertrag. Sie löscht weder dein Profil noch deine Nachrichten noch deine Bilder. Wer beides will, muss beides verlangen: kündigen über den Button, löschen über die im Impressum genannte Stelle. Wie die Löschung im Einzelnen abläuft, welche Fristen gelten und was ein Anbieter behalten darf, steht unter Daten löschen lassen. Für die Löschung gilt das Datenschutzrecht, nicht das Vertragsrecht — und die Auskunft darüber, was gespeichert ist, steht dir ebenfalls zu.
In diesem Segment ist der zweite Schritt der wichtigere. Ein gekündigtes, aber weiterhin sichtbares Profil ist genau das Risiko, wegen dem die meisten hier auf Diskretion achten. Wie weit die reicht, steht in unserem Kapitel zur Diskretion.
Was gilt, wenn das Portal im Ausland sitzt
Richtet sich ein Angebot erkennbar an Verbraucher in Deutschland — deutsche Sprache, deutsche Preise, deutsche Domain oder deutsche Werbung —, greift deutsches Verbraucherrecht auch dann, wenn der Betreiber anderswo registriert ist. Wo er registriert ist, steht im Impressum, das nach § 5 DDG vorgeschrieben ist. Fehlt dieses Impressum oder nennt es nur eine Postfachadresse, ist das kein Formfehler, sondern ein Warnzeichen — und der Grund, warum es auf unserer Prüfliste ganz oben steht.
Häufige Fragen
Muss ich einen Grund angeben?
Nein. Weder der Widerruf noch die ordentliche Kündigung verlangen eine Begründung.
Reicht eine E-Mail?
Eine Kündigung in Textform ist wirksam. Der Button ist trotzdem der bessere Weg, weil er Zugang und Zeitpunkt dokumentiert — und weil sein Fehlen dir die Position aus Absatz 6 verschafft.
Was, wenn nach der Kündigung weiter abgebucht wird?
Zuerst die gespeicherte Bestätigung heraussuchen, dann dem Anbieter widersprechen, dann mit der Bank sprechen. Bei einer Lastschrift ist die Rückgabe innerhalb der von der Bank genannten Frist möglich; bei Kreditkarte läuft es über das Kartenunternehmen. Die Reihenfolge ist wichtig: eine Rückbuchung ohne vorherigen Widerspruch schafft einen zweiten Streit neben dem ersten.
Verliere ich bezahlte Guthaben?
Das richtet sich nach den Vertragsbedingungen, die du vor dem Kauf gesehen hast — ein weiterer Grund, die Zahlungsseite zu lesen, bevor du bestätigst. Nach der Kündigung ist es dafür zu spät.
Weiterlesen
- Was kostet ein Portal wirklich — die vier Abrechnungsmodelle und die drei Kostenarten, die übersehen werden.
- Chat oder Treffen — woran du vorher erkennst, worauf ein Portal ausgelegt ist.
- Fremdgehen69: Kosten und AGB — Ablauf, Kosten und die Punkte, die sich vor der Anmeldung prüfen lassen.